Revos Umbaukit Ebike/Pedelec: Teil 2 – Regen und Akkulaufzeit

Endlich Regen… zum Einen gut für die zur Zeit von Trockenheit gestresste Pflanzenwelt, zum Anderen für eine Fortsetzung des Praxis-Tests meines Revos-Reibrollen-Pedelec-Umbaukits (s. Teil 1). Thema zwangsläufig: wie fährt sich’s bei Regen, was macht die Elektrik und  ein Akku-Dauertest…

 

IMG_3296

 

Die Strecke: eine zum Radfernweg umgebaute ehemalige Bahntrasse (Vennbahnweg)  Im deutsch-belgischen Grenzgebiet. Gefälle und Steigungen sind so kommod, dass ich auch bequem ohne Revos-Unterstützung zum Start zurückkomme, falls der Akku früher als erwartet schlappmacht…

Ergebnis: keine Probleme, ein Durchdrehen der Walze auf dem nassen Reifen habe ich nicht bemerkt, weder beim Anfahren noch wenn ich während der Fahrt abbremste und wieder beschleunigte. Der Hebel, mit dem die Walze auf den Reifen gepreßt wird, stand auf etwa 90 Grad, etwas mehr wäre sogar noch gegangen.

 

 

Das System kam mit Regen und Spritzwasser zurecht und funktionierte.

Zum 200W-Akku: bevor ich losgefahren bin, leuchtete die Ladestandsanzeige blau = geladen; der Akku war dann noch etwas 20min am Ladegerät, dessen Lämpchen rot blieb, heißt da wäre noch etwas gegangen (grün am Ladegerät wären wohl 100 %).

Bei einer Kontrolle während der Fahrt leuchtete die Ladestandsanzeige beim Test nach 11 km rot, deshalb kehrte ich um (das Wetter war einfach mies und Radfahren ist nicht  mein Hobby). Rot war sie dann aber auch noch bei  20 km, deshalb gönnte ich mir einen kleinen Umweg mit Anstieg zum Ziel und dann noch eine Extrarunde wieder mit Steigung. Als das Lämpchen beim Test unter Last rot blinkte (=aufladen)  fuhr ich zum Ziel. Angekommen leuchtete es nach dem Herausnehmen wieder dauerhaft rot.

Bei mir muß der Motor allerdings auch ziemlich arbeiten: Rad und ich wiegen ca. 125 kg (die Körperfettwaage zeigt normalgewichtig, also bitte…), mein Durchschnittstempo finde ich mit 24 km/h hoch und dazu kam noch der Höhenunterschied.

Hier die Aufzeichnung der Tour:

 

 

Das Wiederaufladen des Akkus dauerte rund 3h 40min, dann zeigte auch die Kontrolllampe am Ladegerät grün.

Ein kleines Zwischen-Fazit: Bislang hat der Motor in allen Situationen funktioniert. Bei sehr steilen Anstiegen, an denen ich (als ich vor ein paar Wochen das Rad reaktivierte) auch schon mal geschoben habe, kann ich – auch bei Regen – im Sattel sitzenbleiben und komme mit Runterschalten klar.  Grundsätzlich habe ich die Wahl mit Belastung fordernd und schnell zu fahren oder die Unterstützung des Motors zu nutzen, um mit wenig Anstrengung, aber natürlich auch langsamer anzukommen.

Der Akku – erste Einschätzung: der Alltagsfahrer in der Stadt wird sich um die Reichweite mit dem 200W-Akku keine Gedanken machen müssen. Mein Eindruck allerdings ist, dass zumindest ich – mit viel Gewicht auf dem Rad -bei einer Anfahrt von schnell mal 15km pro Strecke, hügeliger Topographie und inkl. kleiner Sicherheitsreserve für den Schlenker zum Einkaufen nur mit vollständig und frisch geladenem Akku mit einem guten Gefühl losfahre.  Ein Reserveakku könnte mein Problem lösen, wer Touren plant, braucht den sicher. Ein Test bis zum bitteren Ende folgt. Ein Cross-Country-Kit mit mehr Power in der Dose dagegen fände ich besser… auch, weil der Akku dann bei gleicher Anzahl der Ladezyklen länger hält.

Anmerkung 1 – In Sachen Akkukapazität habe ich mit Revolutionworks Kontakt aufgenommen. Wie auch bei anderen Fragen zuvor hat das Team schnell geantwortet. Zusammengefasst: ein stärkerer Akku ist nicht geplant, die Revos-Philosophie sei auf eine minimale Umrüstung ausgelegt, bei der die urspünglichen Fahreigenschaften des Rades weitgehend erhalten werden sollen. Dazu gehöre auch, dass das Gewicht das Rades nicht weiter erhöht werden soll. Für die Nutzung im Stadtverkehr, wo zahlreiche Kunden Revos einsetzen würden, seien die angebotenen Kapazitäten ausreichend. Mit den beiden vorhandenen schlanken Akkugrößen möchte Revos außerdem sicherstellen, dass möglichst viele Räder nachgerüstet werden können. Für Tourenfahrer gebe es die Möglichkeit, einen zweiten Akku nachzukaufen (200W 199 GBP, 100W 125 GBP). Außerdem ermögliche das minimalistische Konzept, auch mit leerem Akku auf dem Rad wie zuvor ohne Motor problemlos weiterzufahren. Ein Nutzung des Motors allein an Steigungen würde zudem die Reichweite deutlich erhöhen. Soweit die Antwort

Ach ja: alles funktioniert.

Wird fortgesetzt…

 

Werbeanzeigen

DSGVO und so fort

Die ab 25. Mai 2018 geltende Datenschutzgrundverordnung hinterläßt auch hier Spuren; da ist zum Einen die Datenschutzerklärung in der Menüleiste, da sind aber auch die Vimeo-Player verschwunden und durch ein Foto des Videos mit Link auf die Plattform-Seite ersetzt worden, wo möglicherweise wieder eigene Datenschutzmaßstäbe gelten; die Kommentarfunktion habe ich abgeschaltet, ein Kontaktformular hat es hier nicht gegeben, wer mir eine email schreiben will, weiß was er tut.

 

Variationen in der Scheune

Die Einladung zu der Ausstellung kam unverhofft – umso schöner: ab Freitag (8.) bis einschließlich Sonntag (10.) zeigt Dieter Schöddert eigene Fotografien bei „Kunst in der Scheune in Brühl“,  Arbeiten von Steffen Diemer, Steven Lopez und Bilder meiner Reihe „Variationen“, darunter auch Variation XII – Hintergrund des Plakats zur Präsentation.  .

Galerie p77a, Pingsdorfer Strasse 77a, 50321 Brühl

Geöffnet Fr. 14 -22h, Sa. 14-22h, So. 11-20h

 

Plakat_KindS2017_komp

 

Ganz Alltägliches

 

m-vf.jpg

„Die meisten Reporter geraten in Situationen, aus denen sich andere zurückziehen – das kann ein Unfall sein, sogenannte Amokläufe, das kann ein Hausbrand sein, sie müssen über einen Menschen berichten, der eine Behinderung oder eine Krankheit hat. Es geht nicht immer um Krisen und Kriege, sondern um ganz Alltägliches und eigentlich sollte jeder Reporter wissen, wie er damit umgeht“ – Petra Tabeling im Gespräch mit Bärbel Röben in der neuen Ausgabe der dju / ver.di-Mitgliederzeitschrift M – Menschen machen Medien (01/2017) zum Konzept von Nicht schaden: „Damit das Thema „Trauma und Journalismus” eine größere Plattform bekommt, ist es wichtig, Kooperationspartner innerhalb der Branche zu gewinnen, mehr Unterstützung zu bekommen – auch von der Gewerkschaft, Journalistenverbänden oder Stiftungen.“

Eine gewisse Anspannung

PK LKA 1Foto: WDR

Den einfachsten Job hatte er gestern nicht. Als Uwe Jacob, Direktor des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts gestern an die Mikrofone trat, war ihm eine gewisse Anspannung anzumerken. Das Thema war vermint. Er mußte verkünden, was seine Behörde nach dem gescheiterten Attentatsversuch in Paris über den erschossenen Angreifer herausgefunden hatte.

Sieben verschiedene Identitäten, mit denen er sich jahrelang in Deutschland, Frankreich und Luxemburg aufgehalten hatte, ein langes Vorstrafenregister mit Diebstählen, Drogen- und Gewaltdelikten sowie sexualisierte Übergriffe gegen Frauen, eine Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung, zwei selbstgemalte IS-Fahnen und schließlich ein möglicher versuchter Terrorakt. Der Mann vereinte danach in seiner Person so ziemlich alles, vor dem rechte Populisten warnen.

Uwe Jacob sollte nun also erklären, warum den Ausländerbehörden nicht früher aufgefallen war, dass sich hier einer nicht an die Regeln hält, lügt, damit durchkommt und erst die Ermittler der Düsseldorfer Behörde schaffen, was andernorts nicht gelang: den Schwindel aufzudecken. Wo er den Fehler im System der Registrierung sieht, mochte Jacob nicht sagen; ist auch nicht seine Aufgabe.

Dass der vermutlich aus Tunesien stammende Mann (offiziell gilt seine Identität noch nicht als hundertprozentig geklärt) außerdem nach langer, auch einschlägiger Vorgeschichte, zu einer Hatfstrafe verurteilt wird, die nach fünf Wochen Gefängnis endet (eine Untersuchungshaft, deren Länge nicht angesprochen wurde, müßte hinzugerechnet werden) – es war auch eine hübsche Rampe für eine Richterschelte; auch dieser Versuchung widerstand der LKA-Chef.

Andere werden da deutlicher: Erich Rettinghaus etwa, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, spricht im Interview vom lachenden Angeklagten und dem weinenden Polizisten. Wer nicht zuletzt den Artikel von Jörg Diehl und Roman Lehberger auf Spiegel online gelesen hat, mag verstehen, was genau er da meint. Ermittler beklagen immer wieder und seit Jahren, dass selbst Intensivtäter immer wieder und seit Jahren mit milden oder Bewährungs-Strafen davonkommen. Für Menschen, die Deutschland als „Beutestaat“ sehen, wie der Berliner Politologe Ralph Ghadban es einmal in einem vergleichbaren Kontext drastisch formulierte, ein Zeichen der Schwäche.

Nun sind Juristen ja nicht so abgekoppelt von Welt und Gesellschaft, dass Veränderungen in der kollektiven Meinung sie nicht erreichen und sich in Urteilen widerspiegeln. Das zeigte sich in puncto Sicherungsverwahrung, die Richter seit Anfang der 2000er Jahre deutlich häufiger verhängen, als zuvor. Die Formulierung von Bundesjustizminister Heiko Maas, niemand könne ihm sagen, dass die Zusammenrottungen in Köln nicht abgesprochen wurden, kann man vor diesem Hintergrund vielleicht als Aufforderung an die unabhängigen Richter verstehen, etwa den Ermessensspielraum bei der Verurteilung und Strafzumessung in den jetzt aktuellen Fällen auch in Richtung oberer Grenze zu nutzen.

Eines allerdings kommt in der aktuellen Diskussion um die von vielen Seiten geforderte „Härte des Rechtsstaats“ etwas kurz: Selbst wenn sie wollten – die von rechten Populisten geforderten langjährigen Haftstrafen, die eine Ausweisung und Abschiebung rechtfertigen, sind bei den in Köln und anderswo in der Silvesternacht geschehen Verbrechen gar nicht möglich. Der vielfach bemühte Begriff der sexuellen Belästigung existiert zwar im österreichischen Strafgesetzbuch, nicht aber vor deutschen Gerichten. Vergewaltigung, sexuelle Nötigung – das sind schwere Straftaten, eine erwachsene Frau, die von einem Mann oberhalb der Kleidung an intimen Stellen angefasst wird, darf sich im allgemeinen lediglich „beleidigt“ fühlen.

Es ist furchtbar für jene Frauen, die das durchleiden mußten, aber momentan grimmige Realität. Eine Verschärfung des Sexualstrafechts, die derzeit diskutiert wird, würde für die Betroffenen der Silvesternacht und ihren Anspruch auf gerichtliche Anerkennung des ihnen zugefügten Leids sowie Ausgleich in Form der Verurteilung des Täters wohl auch nichts ändern; Veränderungen in Gesetzen gelten nicht rückwirkend.

Ohnehin, auch das ein Teil der Wirklichkeit, wird es das größte Problem der Ermittler sein, den Männern – wie erforderlich – ihre Taten individuell nachzuweisen. Prozesse, die von Staatsanwaltschaften unter öffentlichem Druck mit mäßigen bis schwachen Beweisen angestrengt werden, sind eher ein Konjunkturprogramm für Strafverteidiger. Verurteilungen sind in diesen Fällen wohl kaum zu erwarten.

Das heißt nicht, dass die Polizei nicht versuchen muss, mit wirklich allen Mitteln die Taten aufzuklären; in Köln ermitteln inzwischen über 100 Polizisten in der Kommission „Neujahr“. Angesichts der chaotischen Situation in der Nacht aber sind Fahnder skeptisch, was die Beweislage in jedem Einzelfall angeht.

In der heftigen Diskussion und dem Furor angesichts der furchtbaren Ereignisse gehen andere Stimmen unter. Es waren nachdenkliche Momente an der Münsteraner Universität beim Gespräch mit dem Kriminologen Christan Walburg. Wir sprachen über die bekannten Tätergruppen, die Zahlen. Wir sprachen aber auch über Integration – und sie, sagt der Wissenschaftler – ist der wirksamste Schutz davor, dass ein Flüchtling, Asylbwerber oder Zuwanderer in die Kriminalität abrutscht.

Sozialarbeiter warnen: es ist der größte Fehler der Aufnahmegesellschaft, die ankommenden jungen Männer nur zu versorgen, ansonsten aber sich selbst zu überlassen. „Sie hängen dann genau mit denen ab, die uns schon seit Jahren Probleme machen,“ sagt einer, der nicht genannt werden will „das ist ja auch verständlich. Die sprechen die gleiche Sprache, das ist alles vertraut. Aber was lernen sie da?“

Integration vom ersten Tag an, Chancen öffnen, auf Grenzen bestehen, Teilhabe statt Ausgrenzung – wer neue kriminelle Laufbahnen verhindern will, sagt Christian Walburg, wird darum nicht herumkommen. Die Art wie eine Gesellschaft Zuwanderer aufnimmt, entscheidet am Ende auch darüber, wie sie sich in diese Gesellschaft einfügen.

Vielleicht hat diese Diskussion im Moment wenig Raum. Die Hintergründe des Pariser Angreifers, die Verbrechen der Silvesternacht sind so verstörend, dass aktuelle Fragen der inneren Sicherheit, der Registrierung und Identifizierung von Ankommenden, des Datenaustauschs zwischen den Aufnahmeeinrichtungen der Länder so viel dringlicher erscheinen. Die Diskussion über schnelle Verfahren und den sofortigen Beginn von Maßnahmen zur Integration braucht aber auch jetzt Raum; wird er ihr nicht gegeben, wird sie ihn sich nehmen.

 

Beiträge dazu in den Sendungen Aktuelle Stunde und westpol des  WDR-Fernsehens